Der Jakobsweg im Bergischen Land – und wie es dazu kam.

 

Seit das Grab des Heiligen Apostels Jacobus des Älteren im 9. Jahrhundert in Santiago de Compostela in Spanien entdeckt wurde, entwickelte sich die Grabstätte rasch zu einer Pilgerstätte. Jacobus war weit und viel viel gereist, vor allem in Spanien. Im Jahre 44 ließ Herodes den Jacobus in Jerusalem enthaupten. So wurde Jacobus zum 1. Märtyrer der Christenheit. Seine Jünger brachten den Leichnam nach Spanien. Der Legende nach hat ein Engel einem Hirten verkündet, dass er das Grab des Jacobus dort fände, wo die hellsten Sterne leuchteten. Der Hirte machte sich gemeinsam mit seinem Bischof auf die Suche – und sie fanden das hell erleuchtet Grab. Sie gaben ihrem König Alfons II. von Asturien Nachricht, der an dem Ort unverzüglich eine Kapelle erbauen ließ. Der König erklärte Jacobus zum Schutzheiligen seines Königreichs. Den Ort nannten sie Compostela, was so viel heißt wie "das Feld unter den Sternen".
 
Pilger aus aller Welt machten sich auf den Weg nach Compostela, was zu damaliger Zeit eine lange und beschwerliche Reise voller Gefahren und mit ungewissem Ausgang war. Die Pilger machten ihr Testament und verabschiedeten sich von Familie und Freunden. Für ihren Pilgerweg nutzten sie die alten Fernhandelswege, die zumindest eine gewisse Infrastruktur und Sicherheit boten. Seit dieser Zeit ist Santiago de Compostela ein Wallfahrtsort.
 
Der Jakobsweg durch das Bergischen Land führte über Fernhandelswege, die aus Norden kommend über Lübeck, Bremen, Osnabrück, Münster, Dortmund und aus Mitteldeutschland kommend über Soest, Dortmund, Hagen, Schwelm in Richtung Köln führten. Für die Fußpilger war Beyenburg – heute Stadtteil von Wuppertal – eine wichtige Station. Schon 1298 stand den Pilgern hier eine stattliche Herberge zur Verfügung. Die Grafen von Berg hatten dem flämischen Orden der Kreuzbrüder aus dem Stammkloster Huy an der Mass die Kapelle des Herrenguts Stenhus übertragen. Ende des 15. Jahrhunderts gründeten die Kreuzbrüder das Kloster auf dem Berg Beyenburg. Man vermutet, dass die Pilger hier übernachteten. Die Kreuzbrüder leben bis heute hier.
 
Die Stadt Lennep – heute Stadtteil von Remscheid – war früher eine bedeutende Hansestadt (Stadtrechte im 13 Jh.), die durch die Tuchmacherei sehr bekannt war. Das Betreten der Stadt durch das große Stadttor war den Pilgern verwehrt. Nur reiche und ehrbare Bürger durften das Tor benutzen. Die Pilger kamen durch ein kleines Tor in einer schmalen Seitengasse nach Lennep. Bis heute heißt diese Gasse "Pilgergasse".
 
In Lennep gab es zur damaligen Zeit ein Kloster des Minoritenordens. Hier übernachteten die Pilger. Die heutige evangelische Stadtkirche von Lennep war ursprünglich dem heiligen Jacobus geweiht. Die Pilgerstatur aus dieser Zeit ist im katholischen Gemeindeamt noch vorhanden.
 
Der nächste heilige Ort auf dem Pilgerweg war Altenberg – heute gehört es zu Odenthal. Dort befindet sich das ehemalige Zisterzienser-Kloster und der weit über die Grenzen des Bergischen Landes hinaus bekannte Altenberger Dom. Im Küchenhof des Klosters befand sich der Speisesaal für die Pilger und eine Übernachtungsmöglichkeit.
 
Weiter ging der Weg durch das Dhünntal über Odenthal bis nach Köln zum Kölner Dom. Neben Rom und Compostela ist Köln vor allem durch den Reliquienschatz der Heiligen Drei Könige seit jeher ein Wallfahrtsort. Von Köln aus muss sich der Pilger entscheiden: Entweder nimmt er den Weg über Aachen und Belgien nach Santiago – oder den Weg durch die Eifel nach Trier, weiter in Richtung Süden durch Frankreich über Le Puy en Vellay bis ins spanische Santiago de Compostela.
 
Die Strecke von Wuppertal-Beyenburg bis Köln ist ca. 56 km lang. Bis nach Santiago de Compostela über Le Puy en Vellay sind es von Beyenburg ca. 2.300 km. Und von dort sind es dann nur noch ca. 100 km bis ans Ende der Welt: dem Küstenort Finestra.